Donnerstag, 11.08.2022 19:16 Uhr

Türkische Fachkräfte für deutsche Flughäfen Update

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 20.07.2022, 19:59 Uhr
Presse-Ressort von: Uwe Hildebrandt Bericht 7174x gelesen
Ausländische Fachkräfte können wir überall gebrauchen, Scheinargumente sind schnell erfunden
Ausländische Fachkräfte können wir überall gebrauchen, Scheinargumente sind schnell erfunden  Bild: Paul Harrison / Pixabay.de

Göttingen [ENA] Ausgerechnet mitten im deutschen Urlaub: Plötzlich, so im Mai 2022, wird bekannt, irgendwie gibt es Engpässe beim Servicepersonal auf deutschen Flughäfen. Woher diese Erkenntnis so plötzlich auftaucht, keiner weiß es, keiner kann es erklären, ist ja auch egal.

Update 17.07.2022: Noch immer sind ja keine der so dringend benötigten Fachkräfte aus der Türkei hier eingetroffen, um deutsche Flughäfen zu retten. Stattdessen werden immer weitere Ungeheuerlichkeiten bekannt, die klar machen, welche Strategie Frau Faeser mit dieser Aktion eigentlich verfolgt. Interviews mit türkischen angeblichen Fachkräften zeigen nämlich, das diese teilweise auch noch an keinem Flughafen gearbeitet haben, sondern eine Möglichkeit suchen, in Deutschland zu arbeiten, und natürlich nicht nur für 3 Monate, sondern dauerhaft. Dabei können manche noch nicht einmal die deutsche Sprache, aber die könne man ja lernen, so deren Aussage.

Und das Geld von der deutschen Regierung entgegen der Sparmaßnahmen, Kostenerhöhungen und Ignoranz der Unterstützung für eine breite deutsche Bevölkerungsschicht an der Tagesordnung ist, werden Millionen von Euro alleine für die Beschäftigung der türkischen Fachkräfte rausgeworfen. Glauben Sie nicht ? Ich würde mal sagen, wissen Sie nicht. Die sogenannten türkischen Fachkräfte werden ja nicht nur mit überproportionalen Gehaltszahlungen gelockt, sondern bekommen auch noch die Unterkunft und den Flug bezahlt. Lt. der führenden Agentur in Istanbul, wo die Bewerbungen der türkischen Fachkräfte eingehen, sollen von 2000 Bewerbungen alleine 700 wegen Nichterfüllung von Voraussetzungen abgelehnt worden sein.

Das zeigt schon, jeder will nach Deutschland, und nicht weil er eine Fachkraft ist, sondern hier besser leben kann als in Deutschland. Für insgesamt 6 Flughäfen sollen die Bewerbungen gelten. Und das Beste zum Schluß: Damit die türkische Agentur nicht verarmt, zahlt der Bund noch 5000 Euro Provision für eine Vermittlung, das sind schlappe 6.5 Millionen Euro alleine bei 1300 erfolgreiche Bewerbungen. Man kann sich bei dieser Bundesregierung nur noch an den Kopf fassen. Und dann nächste Woche noch die Hitzewelle, dann kommen manche auf noch dümmere Ideen.

Der bisherige Bericht: Man weiß nur: Es gibt ihn, den Engpass. Und zwar so dramatisch, das die Lufthansa mehr als 2000 Flüge streichen muß, das die Passagiere an manchen Flughäfen beim Check In bis zu 4 Stunden vorher anwesend sein sollen. Und die Koffer: Die stehen dann schon mal in einer Halle in großer Anzahl herum, weil keiner da ist, der die weiterbefördert. Oder sortiert. Auch der Check In ist knapp besetzt. Und erst die Sicherheitsbereiche.

Dramatik um Dramatik. Aber dann kommt die Faeser Lösung; aus dem Innenministerium. In Absprache mit Herrn Heil. Wir, also Frau Faeser, holt die fehlenden Fachkräfte einfach aus der Türkei. Der Plan: 2000 türkische Fachkräfte für deutsche Flughäfen. Woher Frau Faeser weiß, das ausgerechnet in der Türkei 2000 Fachkräfte übrig sind, weil es ja dort keine Flughäfen gibt und auch keine Urlaubszeit, sagt sie nicht. Auch nicht, warum aus dem Heer der deutschen Arbeitslosen und Hartz IV Empfänger nicht Personal gewonnen werden kann. Denn an der Bezahlung kann es ja nicht liegen; an den Voraussetzungen auch nicht, Quereinstieg möglich, heisst es da.

Diese Anwerbung ist ja nun etwa seit 4 Wochen am Laufen, ich habe bis heute noch von keinen türkischen Fachkräften gehört, die in Deutschland eingetroffen sind. Aber warum eigentlich nicht ? Wo doch in der Türkei mit einer überproportionalen Bezahlung geworben wird. 6000 Euro sollen die Fachkräfte hier in Deutschland verdienen. Doch das Sonderbezahlungsangebot gilt nicht für Deutsche. Da kommt der Aussage von Herrn Heil, man würde die ausländischen Fachkräfte normal bezahlen, da gäbe es keine Leiharbeit oder Minderbezahlung, geradezu einem Treppenwitz gleich. Oder auch Volksverdummung, um denen Glauben zu machen, die armen ausländischen Fachkräfte würden ja unterbezahlt. Wenn er sich nicht persönlich einsetzen würde.

Aber hinter dem Rücken der deutschen Bevölkerung mit 6000 Euro werben. Wer diese Werbung bloß geschaltet hat ? Reden tut Faeser ja viel in Sachen Fachkräfte ausgleichen am Flughafen, was sie nicht erzählt, wahrscheinlich hat sie das gar nicht auf dem Schirm: Die werden ja hier erst einmal geschult und angelernt, das dauere ja einen guten Monat bis zum echten Einsatz. Wie jetzt ? Dann sind doch die Urlaubsflüge längst weg, die Ferien fast schon wieder vorbei. Das Thema finde ich spannend. Ich habe bei versch. Flughäfen angefragt, warum eigentlich keine deutschen Arbeitskräfte herangezogen werden oder warum sich die angeblich nicht bewerben oder nicht geeignet sind.

Erst einmal keine Antwort; vom keinem Flughafen, von keiner Presseabteilung. Dann auf Nachfrage die Antwort Pressestelle Frankfurter Flughafen: Selbstverständlich können sich auch Deutsche bewerben, jeder sei willkommen. Einzelheiten könne man noch nicht nennen da das ganze Programm noch in Abstimmung mit den Ministerien sei. Na klar, man will 2000 türkische Fachkräfte hierher holen aber das Ganze ist noch gar nicht abgestimmt. Macht ja Sinn. Kennen wir aber schon aus Coronazeiten oder Flüchtlingszeiten. Erst einmal Probleme schaffen, damit man die dann bekämpfen kann. Da kennt sich Frau Faeser aus.

Okay, ich schaue mir mal im Internet die vielen freien Stellen aus dieser Aktion an. Finde aber gar keine. Auf meine Nachfrage hin bekomme ich einen Link geschickt: Ach ja, die Stellenzeigen für Deutsche wurden ja erst kürzlich eingestellt, so vor 3 Tagen meiner ersten Anfrage, aber schon seit Wochen ist die Mangellage bekannt und auch die Tatsache, das man ausländische Fachkräfte hierher holen will. Alles finde ich dubios. Aber es wird noch besser.

Nachdem ich also die vermeintlichen Stellenanzeigen gesichtet habe, finde ich bei allen den Hinweis, es gäbe eine Willkommensprämie. Ach, für was das denn ? Wer bekommt sie, wir hoch ist die ? Keine Angabe, soll wohl eher eine Überraschungsprämie sein. Wieder nachgefragt, bekomme ich mitgeteilt, es handele sich um 2000 Euro. Mir kommt eine Idee. Ich bewerbe mich ganz einfach auf eine der Stellen, für die ich auch als Quereinsteiger geeignet bin. Da ich in Göttingen wohne, ist der nächste Flughafen Hannover, also schicke ich dort meine Bewerbung hin, genau gesagt lade ich sie online hoch.

Ich bekomme eine Email – Bestätigung von Indeed, einer Jobplattform, die mir bestätigt, eine Bewerbung, einen Lebenslauf und 5 weitere Dokumente hochgeladen zu haben. Ist doch toll. Das war am 30.06.2022. Dann passiert gar nichts mehr. Ca 10 Tage später bekomme ich einen Anruf. Die Dame am Telefon erklärt mir, sie sei für die Jobs am Flughafen sozusagen zuständig. Nach ein paar Fragen zu meiner Eignung kommt Sie zum Kernpunkt: Also da gäbe es jeden Dienstag eine Infoveranstaltung, zu der ich kommen müßte. Danach fände ein 3 – monatiges Vorbereitungsseminar, so nenne ich das jetzt mal, statt. Um daran teilnehmen zu können, benötige ich von der Agentur für Arbeit einen Coupon, eine Bescheinigung, das die Kosten übernommen werden.

Als ich frage, ob ich das alles schriftlich per Email nochmal bekomme, wird das verneint. Erst mal zu der Infoveranstaltung und Coupon mitbringen. Mir kommen so einige Gedanken, z. B.: Erst einmal 100 Bewerber einladen, hinterher 90 rauskicken oder die Prüfung, die am Ende des Seminars stehen soll, so schwer machen das eine hohe Anzahl rausfällt, aber 100x die Förderung von der Arbeitsagentur kassieren. Ich glaube zu erkennen, wie man damit gutes Geld verdient. (Kurzer Exkurs: Genau diese Gedankengänge mache ich vor Ort bei einer Arbeitsagentur klar.

Natürlich hat die Mitarbeiterin das nicht kommentiert aber die Sache mit dem Coupon ohne Unterlagen fand sie dann doch seltsam und fügte hinzu, das kein Coupon „ aus der Luft „ ausgestellt würde, wenn da nicht Belege vorliegen. Doch auch ich habe eine Nachfrage am Telefon: Wie das denn mit der Schichtarbeit sei, da ich aus Göttingen mi der Bahn anreise könne ich ja nicht nachts reisen ? Ja, das wäre ein Problem, dann käme das Ganze für mich nicht in Frage. Okay, Sache gegessen. Doch wenige Minuten Später fällt mir ein, Moment mal, für die türkischen Fachkräfte gibt es doch gestellte Unterkünfte, warum nicht für mich ?

Das lasse ich nicht auf sich beruhen und maile die Geschäftsleitung der Firma gaetan-data GmbH an und erkläre, das ich die Bewerbung aufrecht erhalten möchte, denn auch mir steht ja eine Unterkunft zu. Darauf keine Antwort. Stattdessen bekomme ich am 11.7 eine Email, ich hätte keinen Lebenslauf hochgeladen. Wie jetzt, die Bestätigung habe ich doch erhalten, ausserdem weiß ich ganz genau, das ich den hochgeladen habe. Völliger Unsinn. Inzwischen macht mir das ganze Spaß, nachzuverfolgen. Denn ich bekomme immer mehr das Gefühl, deutsche Fachkräfte sind nicht erwünscht. Eine Mitarbeiterin einer Berufsförderungseinrichtung gibt mir nach Schilderung des Falles zu verstehen, das ich mit meiner Vermutung wohl recht habe.

Ihre Aussage dazu: Da gibt es weniger oder gar keine Förderungen von der Arbeitsagentur als bei ausländischen Kräften. Das glaube ich auch. Wer jetzt glaubt, der Fall sei zuende: Aber nein. Ich rufe am Dienstag bei gaetan an und erkläre, das der Lebenslauf sehr wohl dabei war. Man erklärt mir, das Stellenangebot / meine Bewerbung würde von der Firma Securitas Berlin betreut, da solle ich doch mal anrufen, die sind für Flughafenjobs in ganz Deutschland zuständig. Kein Problem, mache ich. Doch uupps, wieder falsch. Ja, sie seien für alle Flughäfen zuständig, aber nicht für Hannover. Das mache eben die Securitas in Hannover. Finde ich interessant, das noch nicht einmal die eigene Firma weiß, wer zuständig ist.

Also angerufen in Hannover. Sie glauben es kaum. Wieder falsch. Ja, ich wäre in Hannover richtig, aber die Personalbeschaffung Flughafen Hannover würde von einer bestimmten Frau, Frau Anja B. betreut, die arbeite für die Firma Securitas. Und man gibt mir ihre Handynummer. Und was denken sie ? Natürlich erreiche ich sie nicht, mehrfach nicht, immer nur Mailbox, und ein angeforderter Rückruf erfolgt auch nicht. Fazit. Ich behaupte: Man will keine deutschen Arbeitnehmer einstellen am Flughafen für diese genannten Jobs.

Oder will irgendjemand behaupten, das dieser Fall eine normale Abwicklung einer Bewerbung ist ? Ich würde eher behaupten eine kranke Abwicklung. Man will die Bewerber loswerden. Ein Flughafen der die Personalbeschaffung über eine Handynummer einer Person macht. Hat der Flughafen Hannover keine Personalabteilung ? Ist auch dort ein Personalengpass ? Ein Witz ohnegleichen. Gestern bekomme ich eine weitere Email von Indeed: Nanu, darin steht, der Arbeitgeber habe meine Bewerbung geprüft. Ach, angeblich fehlt doch der Lebenslauf ? Und der Arbeitsplatz ist doch gar nicht geeignet für mich wegen der Anfahrt ?

Was glauben sie, wie wird es mit den hier ankommenden türkischen Fachkräften ablaufen ? SO jedenfalls nicht. Die werden am Flughafen begrüßt, zu ihren Unterkünften gefahren, der Arbeitsvertrag ausgehändigt und dann geht´s einen Tag später weiter. Und weil das mit denen so viel besser und einfacher geht, weil deutsche Ministerien den Weg ebnen und im Vorfeld alle Hürden aus dem Weg räumen, kommt Frau Faeser nun auf die Idee, in der Gastronomie fehlen ja auch ganz massiv Arbeitskräfte. Auch hier überlege man, ausländische Fachkräfte anzuwerben. Genau, Frau Faeser, weil die Deutschen ja zu dämlich sind, ein Tablett zu tragen, eine Cola von Bier zu unterscheiden und eine Kasse zu bedienen.

Übrigens, Frau Faeser, es fehlen auch Fachkräfte im Einzelhandel, habe ich gestern gelesen, und in technischen Berufen, und im Kino, am Bahnhof, auf öffentlichen Toiletten, bei den Stadtwerken, in der ganzen Wirtschaft und überhaupt. Nee, iss klar, die Faeser – Strategie und Masche wird hier einmal mehr ganz deutlich. Interessante Aussage bei Hart aber Fair 21.06.2022 Herr v. Randow, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Er behauptet in der Sendung, wir hätten 2000 türkische Fachkräfte, die bereit wären, sofort zu uns zu kommen. Sofort. Um mitzuhelfen bei der Flugzeugabfertigung. Ach, woher weiß er das denn ?

Stehen die am Flughafen Istanbul und warten mit Koffer darauf, hierher zu kommen? Wie üblich auf Anfrage bei der Presseabteilung des Bundesverbandes keine Antwort. Erst auf tel. Rückfrage bekomme ich heute folgende Email, dessen Inhalt wortgetreu wiedergegeben wird: Lieber Herr Bingbaum, bei der Personalrekrutierung aus Drittstaaten handelt es sich um Arbeitskräfte für die sog. Bodenverkehrsdienste, also Arbeitskräfte insbesondere im Bereich der Gepäckverladung. Die Personalrekrutierung selber erfolgt über die Unternehmen der Bodenverkehrsdienstleister, nicht über die Verbände.

Die Information, dass die Möglichkeit für diese befristete Beschäftigung in Deutschland besteht, ist breit kommuniziert. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Einstellung von Arbeitskräften aus Drittstaaten wurde erst vergangene Woche von Seiten des Bundes erteilt. Daran anschließend müssen noch Zuverlässigkeitsüberprüfungen von Seiten der Behörden auf Landesebene durchgeführt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ausnahmegenehmigung von Seiten des Bundes nur für drei Monate gegeben wurde, was die Attraktivität für die potenziellen Arbeitskräfte einschränkt.

Gleichwohl ist die Ausnahmegenehmigung in der aktuellen Situation angesichts der weitgehenden Vollbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein hilfreicher Baustein für die Personalgewinnung. Allerdings brauchen wir – und das gilt für weite Teile der deutschen Wirtschaft – eine grundsätzliche Erleichterung der Einwanderung ohne solche rigiden Befristungen. Dass Tariflöhne gezahlt werden, ist nicht in jeder Branche Praxis. In der Luftverkehrswirtschaft hingegen sind die Arbeitsbedingungen, Löhne und Gehälter tariflich festgelegt und werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Tarifautonomie ausgehandelt. Ende der Email.

Auch aus dieser Information ergibt sich: Bis irgendwelche ausländische Fachkräfte wirklich am Flughafen auftauchen, sind die Urlaubszeiten und damit die Engpässe schon vorbei. Warum also die Aktionen, Aufwandsbetreibung und Steuergeldverschwendungen, die am Ende nix bringen ? Aber was wollen wir denn von dieser Bundesregierung erwarten ? Nix.

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