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Ceconomy / Media Markt Saturn wird chinesisch ? 03.08.25

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Bundesweit, 03.08.2025, 23:17 Uhr
Presse-Ressort von: Uwe Hildebrandt Bericht 6869x gelesen
Hauptversammlung der Ceconomy in Essen
Hauptversammlung der Ceconomy in Essen  Bild: Uwe Hildebrandt

Bundesweit [ENA] Nun hat es wohl doch geklappt; die Versuche und Bemühungen der vergangenen Zeit haben jetzt vermeintlich Früchte getragen. Die Ceconomy wird von der chinesischen Firma JD.com übernommen, man tut sich zusammen. Nur noch eine kleine Hürde steht aus. Eine Formsache.

Wie nun vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist wohl zwischen der Ceconomy und Vertretern der Firma JD.com eine Übereinkunft, eine Übernahmeregelung getroffen worden. Theoretisch sind noch 2 Hürden zu nehmen: Das Bundeskartellamt könnte ein Fusionskontrollverfahren anstreben, das, wie es so schön heisst, negative Auswirkungen von Machtkonzentrationen auf Märkten zu prüfen, die bekämpfen und ggf. zu verhindern. Aber wer glaubt das allen Ernstes ? Wo doch in Deutschland die Wirtschaft in 3 Jahren kaputtgemacht wurde und am Boden liegt, wer will da noch einen Großkonzern schädigen ?

Zumal auch Media Markt und Saturn seit Jahren darum kämpfen, ihre Position zu halten. Da helfen auch keine jährlichen Pressemitteilungen. Der Aktienkurs ist seit Anbeginn stetig gesunken mit kleinen Höhenflügen zwischendurch, der jetzige Kurs von rund 4.44 Euro liegt am Übernahmeangebot, das bei 4.60 Euro liegen soll. Wie gesagt, theoretisch wäre eine Zustimmung der Aktionäre erforderlich, die sich aber eher auf eine Information über die Übernahme beschränkt, denn ausgerechnet die Firma Convergenta, größter Aktionär und oftmals durch das besondere Einspruchsrecht von Herrn Kellerhals aufgetreten, ist nun Partner von JD.com; damit verfügen beide zusammen über eine Aktienmehrheit von rund 57 \%.

Und natürlich haben alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder klar geäußert, das die Fusion im Sinne aller Beteiligten ist und den Weg in eine positive Zukunft ebnen wird. Ja was sollen die denn sagen wenn sie sich schon geeinigt haben und das Ergebnis quasi allen übermitteln sollen. Das erinnert mich so ein bißchen an die Übernahme der Firmen Huma, Suma, Meister, Primus. Als die Einzelhandelskette von real.- übernommen wurde, was glauben sie hat der Geschäftsführer beim Verkünden der „ Neuerungen „ mehrfach gesagt gegenüber der Belegschaft ? Der Standardsatz war „ Hört sich gut an „. Hört sich heute gar nicht mehr gut an, denn real.- ist weg vom Fenster. Und nach einem Jahr Mitarbeiterbestandsschutz gingen die Entlassungen los.

Es wurde „ aussortiert „. Im sogenannten öffentlichen Übernahmeangebot der Jingdong Holding Germany GmbH steht dann auch blumig drin (Zitat): Es sind keine Veränderungen bei Belegschaft, Arbeitsverträgen und Standorten geplant (Zitatende). Klar, die haben ja auch für 1 Jahr Bestandsschutz. Stand bei Merz auch im Koalitionsvertrag, so diverse Dinge, die schon einen Monat später alle Makulator waren. Glaubt hier jemand, das China die deutschen Verhältnisse, die rein gar nichts mit Bezahlung, Urlaub, Ansprüche usw. mit China zu tun haben, einfach bedingungslos ewig weiterführt ? Klar gilt der Tarifvertrag, aber wir kennen das doch von Karstadt, wie etwas weitergehen kann.

Standorte, die sich nicht lohnen, werden irgendwann „ verändert „ Mitarbeiter, die ihre Leistung nicht bringen, werden wegrationalisiert. Wie sagte mein früherer Chef mal in die Belegschaftsrunde: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. War übrigens ein Media Markt Geschäftsführer, und der hatte noch andere Sprüche drauf, die er umgesetzt hat: Auch der beste Spieler muß gehen, wenn er nicht mit dem Team spielt. Leute, ihr könnt gerne glauben was ihr wollt das chinesische Unternehmen wird natürlich nach und nach ihre Interessen umsetzen, das macht man ja auch nicht am ersten Tag, man muß ja erst einmal die Belegschaft und die ganzen GFs hinter sich bekommen.

Abwarten, ob die teilweise noch vorhandene Gesellschaftsstruktur der GFs, die Eigenkapital in den Häusern vor Ort haben, so bleiben werden. Und der andere Absatz auch sehr interessant (Zitat): JD.com verpflichtet sich für eine Dauer von 3 Jahren, keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anzustreben oder einzugehen (Zitatende). Schwierig ist das Ganze wegen der EU. Eigentlich dürfte es ja den Zusammenschluß gar nicht geben, wo doch v.d.Leyen schon vor längerer Zeit angekündigt hatte, Produkte chinesischer Hersteller durch Abgaben begrenzen zu wollen, dazu wurden die Produkte teilweise als minderwertig, nicht dem deutschen Sicherheitsstandard entsprechend deklariert.

Und angeblich Tests bei TEMU gemacht, die das untermauern. Ich habe aber schon davon gehört, das JD.com natürlich auch chinesische Produkte, also neue Hersteller und Marken, in die deutschen Regale bringen will. Natürlich, die wollen ja auch in China davon profitieren. Droht ein Verdrängungswettbewerb deutscher Produkte, weil die Firmen chinesische Preise nicht mitmachen können ? Das chinesische Unternehmen, von dem hier in Deutschland natürlich kaum jemand etwas weiß, beschreibt sich auf der Original China – Webseite im Unternehmensprofil so (Übersetzung google, keine Haftung für Fehler):

Seit 2004 im E-Commerce Sektor tätig, im Mai 2014 Notierung im Nasdaq USA, 2020 folgte die Notierung in der Hongkonger Börse. Seit 2017 ist die JD.com Group ein technologieorientiertes Unternehmen und hat bis heute ca. 17.5 Milliarden Euro (umgerechnet nach heutigem Kurs) in Technologieforschung und -entwicklung investiert. JD.com ist in den Bereichen Einzelhandel, Technologie, Logistik, Gesundheitswesen, Produktion und Entwicklung, Industrie, Eigenmarken, Versicherungen und internationalen Märkten tätig.

Die Leitwerte des Unternehmens unterstreichen dann auch meine Ausführungen, denn neben Werten wie „Kunde zuerst“, „Innovation“ , „Verantwortung“, „Dankbarkeit“ und „Integrität “ ist auch „ harte Arbeit „ fester Bestandteil. Die Kerngeschäftsphilosophien heissen „Kosten, Effizienz, Produkt, Preis und Service“. Heisst für mich zusammengefasst: Wirtschaften nach dem Minimal – Maximal – Prinzip. Wer da Lücken im Wissen hat: Minimalprinzip: Ein vorgegebenes Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz erreichen. Maximalprinzip: Mit gegebenen Mitteln den größtmöglichen Erfolg erzielen.

Betrachten wir uns mal den Wert der Aktie, ist der Verlauf etwas anders wie bei der Ceconomy, aber im Endergebnis ähnlich. JD.com hat im Vergleich zum Start bis heute einen Zuwachs von rund 31 \% zum Ausgabepreis hingelegt, vergleicht man allerdings den Wert der letzten 5 Jahre, ein Minus von knapp über 50 \%. Schaut man die letzten 3 Jahre an, sind es sogar knapp 54 \% Minusentwicklung bis heute. Von Ende September 2024 bis Ende März 2025 hatte die Aktie einen Höhenflug bis zu 40 Euro, derzeit liegt der Wert um die 26.50 Euro. Der 5-Jahreschart jeweils am Tag der Hauptversammlungen: 23.06.2012 73.14 USD, 21.06.2022 63.65 USD, 21.06.2023 36.59 USD, 21.06.2024 28.10 USD und kürzlich 20.06.2025 31.44 USD.

Dividendenzahlungen gibt es erst seit 2022 im Bereich 60 Cent, 74 Cent und 98 Cent (2022 – 2024). 2025 sind 5.37 chinesische Yuan geplant. Gucken wir mal bei Ceconomy. Im 5 Jahren Durchschnitt hat sich die Aktie um 39.1 \% verbessert. Allerdings täuscht das Bild weil ja aufgrund der bevorstehenden Übernahme der Kurs Ende Mai von 2.63 Euro auf jetzt um die 4.44 Euro gesteigert hat. Zu Beginn 2021 war der Kurs schon bei 5.86 Euro. Tiefpunkt war im 3. Quartal 2022 mit nur noch 1.20 Euro. In Sachen Dividende hielt sich Ceconomy immer zurück: 2022 wurden 17 Cent je Stammaktie vergeben, davor bis zurück 2019 eine Nullnummer, 2018 gab es 26 Cent.

Interessant auch: Von 1998 – 2017 gab es ausser 2014 fast immer eine Dividende von 1 Euro oder mehr. Ausnahme war nur 2025 mit 90 Cent, aber allemal deutlich über den Zahlungen seit 2018. Warten wir ab, was sich z. B. in Sachen Weihnachtsgeschäft in diesem Unternehmen entwickeln wird. Aber eines ist JETZT für mich klar geworden: Warum so plötzlich ganz ohne Begründung der Chef von Ceconomy, Dr. Wildberger, das Unternehmen verlassen hat und in die Politik auf einen Ministerposten gewechselt hat, der doch viel weniger dotiert ist und sicherlich mehr Arbeit und Stress mit sich bringt. Hat er schon im Februar gewußt und gesehen, was da auf Ceconomy zukommt ?

Und vielleicht nicht so rosig in die Zukunft gesehen ? Wer weiß das schon ausser Dr. Wildberger selbst. Für mich bleibt eine Frage offen: Können wir dann demnächst auch im chinesischen Shop JD.com günstig zollfrei und so einkaufen und werden die Preisschilder an den Waren in den Märkten dann zweisprachig werden ? Und gibt es dann endlich in Deutschland ein günstiges Internetangebot aus China ?

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